Pin San Wing Chun Kung Fu
Charakteristik:
Das Pin San Wing Chun Kung Fu ist ein Nahkampfsystem, das auf Akrobatik verzichtet und historisch betrachtet als Revolutionssystem gedient hat. Es ist ein sehr direktes und dadurch effektives System.
Die Pin San (deutsch: Seitlicher Körper)-Familie zeichnet sich im Vergleich zu anderen Wing Chun-Familien dadurch aus, dass sie nicht primär versucht, auf der Zentrallinie anzugreifen, sondern von vornherein den Angriff oder Konter auf der Seitenbahn sucht.
Dies ist vor allem ein Vorteil gegenüber körperlich stärkeren Gegnern: Denn geht der Erstkontakt auf der Zentrallinie schief, kann der komplette erste Moment im Kampf gegen einen selbst gerichtet sein, etwa durch den Verlust der Balance.
Das Wing Chun Kung Fu wird auch als weicher Stil bezeichnet, da es im Gegensatz zum Shaolin Kung Fu auf Abhärtung verzichtet, die Annahme immer weich ist und nicht mit Härte (Knochen auf Knochen) angenommen wird. Trotz weicher Annahme ist dagegen der Konter immer hart.
Geschlagen wird mit so ziemlich allen Körperteilen, die zur Verfügung stehen. Dies können neben der Faust auch die Handkante, der Ellenbogen oder die Schulter sein.
Das Wing Chun Kung Fu hat diverse Prinzipien, zum Beispiel die Kurzdistanzkraft, bei der auf Ausholbewegungen verzichtet wird, oder schattenlose Kick, der durch Absenkung des Hauptteils des Gewichtes auf das hintere Bein erreicht wird, sodass man kicken kann, ohne dem Gegner etwas zu verraten, etwa durch das Bewegen des Oberkörpers.
Zu den Prinzipien gehören auch der Leitsatz „Ist der Weg frei, stoßen wir vor“ sowie das Klebenbleiben mit den Armen und Füßen am Gegner, um im Nahkampf mit dem Kontaktreflex zu arbeiten - denn das Auge ist zu langsam, um schnelle Bewegungen noch zu erfassen. Es gibt noch weitere Prinzipien, die Meister Stefan Merkel gerne im Training erläutert.
Das Training ist wie folgt aufgebaut: Es werden neben diversen Drills, die unter anderem die Reflexe schulen sollen, auch Anwendungen verschiedenster Art unterrichtet. Hinzu kommen Sparring, Formen und Waffentraining (Kurzstock, Langstock und Schwert).
Geschichte
Die Entstehung des Wing Chun Kung Fu ist nicht 100-prozentig nachzuweisen - es ist aber wahrscheinlich gegen Ende des 17. Jahrhundert in Südchina entstanden.
Der Name des Stils bedeutet „schöner Frühling“; zur Namensgebung gibt es das Märchen oder auch die Legende über die Nonne Ng Mui, die auf Ihrer Flucht nach der Zerstörung ihres Shaolin-Klosters im Wald einen Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranichs beobachtet haben soll. Daraus entwickelte sie dann dass System mit Einflüssen ihrer Shaolin-Vergangenheit. Später lernte sie das Mädchen Yim Wing Chun kennen und nahm sie als Schülerin auf.
Mit Hilfe der erlernten Techniken, so die Legende, soll Yim Wing Chun es gelungen sein, sich ihres Peinigers zu entledigen; später unterrichtete sie ihren Mann Leung Bok Chau, der ihr zu Ehren dem System den Namen Wing Chun gegeben haben soll.
Ein anderer Erklärungsversuch geht davon aus, dass dies nur eine falsche Fährte ist, die bewusst gelegt wurde, um die Verfolger der Mandschus (Ching-Dynastie 1644 – 1912) über die wahren Absichten zu täuschen. Hiervon ausgehend, verteilte sich das System unter dem Kennwort Wing Chun, das „schöner Frühling“ bedeutet, über die Roten Dschunken (Chinesische Oper) als Revolutionssystem über ganz China. Die Worte bedeuten daher: „Wir werden erneut siegen, der Frühling kehrt zurück.“ Man fügte sich ein in die Tradition der Shaolin, die sich gegen die Regierung stellten und mit der Zerstörung mehrerer Tempel bestraft wurden.
Der Großteil des chinesischen Volkes besteht aus Han-Chinesen, die mit der Eroberung des Landes durch die Mandschus - ein Volk, das aus der Region nahe der Grenze zu Korea stammt – alles andere als einverstanden war; daher fiel der Revolutionsgedanke im Land auf fruchtbaren Boden. Auch in Filmen wird dies immer wieder aufgegriffen, etwa in „Die 36 Kammern der Shaolin“.
Der Erste Sifu (Meister) des Wing Chun, der geschichtlich nachzuweisen ist, heißt Dr. Leung Jan (1826 – 1901): Er war Arzt der chinesischen Medizin und hatte eine Apotheke in Foshan. Man gab ihm aufgrund seiner großen kämpferischen Fähigkeiten den Beinamen „König des Kung Fu“, da er bei diversen Herausforderungen (genaue Zahl ist nicht bekannt) unbesiegt blieb.
Er lernte von zwei Schauspielern der Chinesischen Oper (Roten Dschunke) - Wong Wah Bo und Leung Yee Tai - das Wing Chun. Später unterrichtete er, der Tradition folgend, nur etwa eine Handvoll Schüler, unter anderem seine zwei Söhne und Chan Wah Shun sowie Wong Wah Sam. Dies deshalb, weil große Schulen zu auffällig gewesen wären und so der Versuch der Revolution leichter aufzudecken gewesen wäre.
Aus der Linie von Chan Wah Shun entwickelte sich später die bekannteste Linie, das Ip Man Wing Chun. Ip Man war ein Schüler von Chan Wah Shun. Aus der Linie von Wong Wah Sam entstand die Pin San Kuen-Linie.
Sin Moo Hapkido
Charakeristik:
Das Sin Moo Hapkido ist ein sehr vielfältiger Stil: So werden neben diversen Ferndistanztechniken (Kicks) auch der Nahkampf sowie der Waffenkampf (Tuch, Gürtel, Kurz- und Langstock sowie Spazierstock und Schwert) unterrichtet.
In der Ferndistanz greift es auf viele Kicks zurück (allein 25 Basiskicks sind vorhanden) sowie auf diverse Waffen- und Wurftechniken wie zum Beispiel Steine. Im Nahkampf werden neben verschiedenen Schlag- und Tritttechniken auch Hebel, Wurf und Festlegungen gelehrt.
Alle Techniken greifen in ihrer Ausführung auf die drei Grundprinzipien zurück: Dies sind Fließen, Kreisen und Harmonisieren (Koreanisch: Yu, Won, Wa). Die Abwehrtechniken bestehen in der Regel aus Umlenktechniken, die ohne Kraft oder physische Härte ausgeführt werden. Somit ist Sin Moo Hapkido für jedes Alter, Geschlecht und jede körperliche Voraussetzung geeignet.
Das Training beginnt mit dem Angrüßen des Meisters zum Schüler auf traditionelle Weise, danach folgen die sogenannte Danjung-Atmungstechnik (eine Art koreanisches Qi Gong), ein Warm Up sowie Gesundheitsgymnastik, um den Körper zu stretchen und bereit für die Lektion zu machen. Danach werden neben Kicks und diversen Kombinationen wie etwa der Aneinanderreihung von Kicks sowie Fuß- und Handkombinationen noch Fallschule, Hebel und Würfe trainiert.
Geschichte
Großmeister Ji Han Jae (geboren 1936 in Andong verstorben am 28.01.2026 / USA) begann sein Training bei Großmeister Choi Yung Sul in Tae Ku (Heute Tegu City, Südkorea) im Alter von 13 Jahren.
Mit 18 Jahren verließ er Tegu City und ging nach Seoul, dort Unterrichtete er das Erlernte Daito Riyu Jiu-Jitsu unter den Namen Yu Kwon Sul (weiche Fausttechnik) sowie sein Meister den japanischen Stil in Korea nannte.
In Seoul lernte er zwei seiner weiteren Lehrer kennen. Den Taoistischen Mönsch Lee von dem er die Koreanische Kampfkunst Taekkyon lernte und die Nonne welche „Großmutti“ genannt wurde.
Nach weiteren Jahren des Studiums unter dem Mönch und er Nonne mischte er die 3 gelernte Stile und nannte sein Stil seit ca. 1958 Hapkido. Hap = Einheit von Körper, Geist und Seele, Ki = Innere Energie und Do = Weg.
Nach der Gründung seines eigenen Stil gründete er die Kido Vereinigung die das Ziel hatte, alle koreanischen Kampfkünste in einem Verband miteinander zu verbinden. Zum ersten Präsidenten ernannte er nicht sich selbst, sondern seinen Lehrer GM Choi Yung Sul. Nach einer Unstimmigkeit mit einem anderen Schüler seines Meisters in der Organisation verließ er sie wieder.
Seine Schule und Stil bekamen in Südkorea einen guten Ruf und so wurde der 1961 durch einen Militärputsch neu ernannte Präsident General Park Chung Hee auf ihn Aufmerksam. Großmeister Ji Han Jae war von 1962 – 1979 der Chef Leibwächter des Präsidenten und war verantwortlich der 300 Mann starken Leibwache sowie bildete er Militär und Polizei aus.
Als Ji Han Jae 1979 im Urlaub war, wurde gegen Präsident Park Chung-Hee geputscht, letztlich musste Ji Han Jae für seine Unterstützung des Präsidenten ein Jahr ins Gefängnis. . GM Ji Han Jae war es aber gewohnt, sein ganzes Leben lang physisch zu trainieren - dies konnte er jetzt aber nicht mehr, da er eine Bekannte Persönlichkeit und ein Politischer Gefangener war. Daraufhin begann er seinen Geist zu trainieren und stellte sich die Angriffe und Verteidigungsmöglichkeiten vor.
1980 kam er wieder frei als Armer Mann. Er verließ Korea dann 1984 nach Frankfurt dort lebten zwei seiner Schüler. Großmeister Song Il Hak und Großmeister Kim Sou Bong. So kam es dass er bei seinen Schülern geprägt von seinen Erfahrungen zum ersten Mal über den neuen Namen Sin Moo Hapkido sprach. Sin = Geist und Moo = Kampfkunst.
Nach Unstimmigkeiten mit seiner Gastfamilie halfen ihn die Gebrüder Biffar zwei Schüler seiner Schüler Song und Kim aus Deutschland rauszukommen. Er flog in die USA wo er bis zu seinem Tod am 28.01.2026 gelebt hat.